Stärkung des Unterrichts für (wirklich) alle

Kategorie Institutsthema

Wie können im Unterricht Barrieren reduziert und Teilhabe für alle ermöglicht werden? Am Institut für Behinderung und Partizipation werden Modelle und Umsetzungsideen entwickelt und erprobt.

Kind mit einer sichtbaren kognitiven Beeinträchtigung (Trisomie 21)  in einer Gruppe von Kindern und einer erwachsenen Frau im Freien

Kontakt

Cornelia Müller Bösch Titel Prof. Dr.

Funktion

Professorin für Bildung bei kognitiver Beeinträchtigung

Annette Preusse-Grobe Titel MA

Funktion

Advanced Lecturer

Wie kann Unterricht so gestaltet werden, dass wirklich alle Lernenden gemeinsam lernen können? Diese Frage steht im Zentrum unserer Forschung und Entwicklung. Mit der UN-Behindertenrechtskonvention wurde das Recht auf inklusive Bildung und lebenslanges Lernen international verankert. Ziel ist es, den Unterricht so zu gestalten, dass wirklich alle Lernenden an gemeinsamen Bildungsprozessen teilnehmen können. Dies setzt die Umsetzung eines Lehrplans für alle voraus, der gemeinsame Lerngegenstände eröffnet, individuelle Lernwege ermöglicht und Barrieren von Beginn an reduziert.

Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse von PISA 2022 (OECD, 2023), dass Schulen zunehmend vor der Herausforderung stehen, einer heterogenen Schülerschaft gerechte Bildungschancen zu eröffnen.

Aktuelle Berichte der WHO (2025) und der OECD (2025) weisen zudem darauf hin, dass Einsamkeit, soziale Isolation und die Auswirkungen der Digitalisierung das Wohlbefinden vieler Kinder und Jugendlicher beeinträchtigen. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass Schule nicht nur ein Ort des Wissenserwerbs, sondern auch ein zentraler sozialer Lebens- und Lernraum des Miteinanders ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Gestaltung eines inklusiven Unterrichts an Bedeutung, der gemeinsames Lernen ermöglicht, soziale Beziehungen stärkt und unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigt.

Miteinander im inklusiven Unterricht

Lernen entsteht im Dialog. Inklusive Didaktik verfolgt das Ziel, gemeinsames Lernen für alle zu ermöglichen und Unterricht von Beginn an so zu gestalten, dass Barrieren reduziert und vielfältige Zugänge zum Lernen geschaffen werden. Grundlage bilden Ansätze wie:

  • Universal Design for Learning (UDL) (Cast, 2024; Meyer et al. 2014)
  • Lernen mit- und voneinander (Naujok, 2000; Neber, 2018; Müller Bösch, 2025) sowie 
  • die Kooperation am Gemeinsamen Gegenstand (Feuser 2005, 2013).

Sie verbinden individuelle Förderung mit gemeinsamer Teilhabe und ko-konstruktiven Lernprozessen.

Befähigungsorientierte Förder- und Bildungsplanung setzt voraus, dass wir die Lernenden daran teilhaben lassen und mit ihnen während der gesamten Schulzeit eine Befähigungsvision entwickeln, welche sie selbstbestimmt mitgestalten können. Im Unterricht sind Lerngespräche eine Möglichkeit, um gemeinsam an einer Reflexionskompetenz, an eigenen Gestaltungen von Zukunftsvisionen zu arbeiten und Teilhabe zu ermöglichen.

  • Ausbildung. Im Pflichtmodul «Inklusive Didaktik unter heilpädagogischer Perspektive. Lernen und Partizipation in Sprache und Mathematik» erwerben Studierende Grundlagen zur Gestaltung vielfältiger Lernumgebungen im Sinne des Universal Design for Learning (UDL). Aufbauend auf einer Kernidee entwickeln sie Lernangebote für heterogene Lerngruppen und setzen sich mit dialogischen Lehr-Lern-Prozessen, Lernen mit- und voneinander sowie dem Wir–Ich–Du–Wir-Lehr-Lern-Zyklus auseinander (Müller Bösch & Schaffner Menn, 2021; in Anlehnung an Feuser, 2005, 2013).
  • Forschung. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung, Umsetzung und empirische Erforschung inklusiven Unterrichts. Ausgangspunkt bildet die Dissertation «Lernen mit- und voneinander in Schulen mit personalisierten Lernkonzepten» (Müller Bösch, 2025). Darauf aufbauend werden Universal Design for Learning (UDL) (Al-Azawei et al. 2016), Lernen mit- und voneinander sowie die Kooperation am Gemeinsamen Gegenstand aus heilpädagogischer Perspektive weiterentwickelt (Feuser, 2013). Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Unterricht selbst zu einem wirksamen Ort der Prävention, Förderung und Teilhabe werden kann. Die entwickelten Konzepte werden unmittelbar in der Hochschullehre umgesetzt und wissenschaftlich begleitet. Lehrveranstaltungen werden im Sinne des Universal Design for Learning gestaltet und dienen zugleich als Entwicklungs- und Forschungsfeld für inklusive Hochschuldidaktik.
  • Masterarbeiten. Masterarbeiten tragen zur Weiterentwicklung der Forschung bei. Sie befassen sich unter anderem mit Lerncoaching, Lerngesprächen, fokussierter Zukunftsplanung sowie der Entwicklung und Evaluation von Unterrichtsmaterialien für einen inklusiven Unterricht im Sinne des Universal Design for Learning und des mit- und voneinander Lernens. Die Ergebnisse fliessen kontinuierlich in Forschung, Lehre und Praxis ein.
  • Weiterbildung. Forschungsergebnisse werden unmittelbar in die Weiterbildung übertragen. In Angeboten wie der Einführung in Universal Design for Learning (UDL), dem CAS Lerncoaching mit Fokus auf inklusiven Unterricht sowie dem CAS Bildungsplanung mit Fokus auf Bildung von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung werden aktuelle Entwicklungen der inklusiven Didaktik aufgegriffen und gemeinsam mit Fachpersonen weiterentwickelt.
  • Publikationen. Die Umsetzung eines inklusiven Unterrichts wird auch in wissenschaftlichen Publikationen aufgegriffen. Das Buch «Inklusive Pädagogik und Didaktik» (Hrsg. André Kunz, Reto Luder & Cornelia Müller Bösch, 2021) verbindet aktuelle Forschung mit praxisnahen Konzepten für die Gestaltung einer Schule für alle.
  • Fachstelle. Die Expert:innen der Fachstelle Bildung bei kognitiver und komplexer Beeinträchtigung (BkkB) beraten und unterstützen Fachpersonen an heil- und sonderpädagogischen Schulen sowie Personen, die an der Umsetzung der integrierten Sonderschulung beteiligt sind. Über das Netzwerk Schulleitungen besteht ein enger Austausch mit der Praxis, sodass aktuelle Fragestellungen in Forschung, Lehre und Weiterbildung aufgenommen und weiterentwickelt werden.

Literaturverzeichnis