«Die HfH hat sich im Interesse des Berufsfelds weiterentwickelt»
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«Das Zusammengehörigkeitsgefühl an der HfH hat mich immer beeindruckt», sagt Dorothea Christ, scheidende Präsidentin des Hochschulrats der HfH, im Rückblick auf ihre Amtszeit. Im Interview zeigt sie sich optimistisch mit Blick auf die Zukunft der HfH: «Die HfH wird die Referenz für Heil- und Sonderpädagogik in der Schweiz bleiben».
Nina Hug: Dorothea Christ, du warst die letzten sechs Jahre Präsidentin des Hochschulrats der HfH. Was hat dir in dieser Rolle am meisten Freude bereitet?
Dorothea Christ: In meiner Position konnte ich Anteil haben an einer Hochschulentwicklung, die immer die Interessen des Schulfeldes und der Kinder im Auge hatte. Hier auf strategischer Ebene mitgestalten zu können, hat mir viel Freude bereitet. Was mir auch immer sehr imponiert hat, war die Praxisorientierung der HfH.
Eines deiner Ziele in der Amtszeit war es, der HfH zu helfen, ihre Entwicklungsziele umzusetzen. Ist das gelungen?
Im Interesse des Berufsfeldes hat die HfH in den letzten sechs Jahren eine grosse Entwicklung vollzogen. Das Studium wurde stark flexibilisiert, modularisiert und das E-Learning durch Auswirkungen der Corona-Pandemie beschleunigt eingeführt. Für die Studierenden ist das ein grosser Vorteil. Zudem stiegen die Studierendenzahlen in den letzten Jahren, ein enormes Wachstum wurde bewältigt. Und es wurden neue Angebote aufgebaut, die dezentral verankert sind – auch in Kantonen, die keine Trägerkantone sind. Ausserdem ist es gelungen, einen Generationenwechsel in der Hochschulleitung zu vollziehen. Für mich sehr positiv war in all diesen Angelegenheiten die Zusammenarbeit mit der Rektorin und dem Verwaltungsdirektor. Der Hochschulrat als strategisches Gremium hat in dem Change-Prozess die Hochschulleitung immer gestützt und stand als Sparringpartner zur Verfügung. Ich finde, dass sich die HfH sehr positiv entwickelt hat. Das hat auch der Hochschulrat gesehen.
Du hast schon in einigen Hochschulen gewirkt. Gibt es etwas, das an der HfH besonders ist?
Ganz toll finde ich das Zusammengehörigkeitsgefühl sowohl in den Studiengängen als auch unter den Mitarbeitenden. Das merkt man auch von aussen. Was nicht heisst, dass es keine Meinungsverschiedenheiten intern gibt. Aber grundsätzlich arbeiten die Leute gerne an der HfH. Das spürt man. Wenn ich hier einen kleinen Beitrag leisten konnte, solche Entwicklungen zu unterstützen, dann freut mich das.
Gab es auch Frustrierendes in deiner Arbeit als Vorsitzende des Hochschulrates?
Ja, sicher. Wir haben oft über Geld geredet. Das gehört halt dazu, aber das ist nicht immer sehr konstruktiv gewesen. Wir haben gerungen um verschiedene Lösungen für die Trägerschaft und diese immer wieder diskutiert. Manchmal hatte ich das Gefühl, wir kommen irgendwie nicht vom Fleck. Was mich auch gestört hat, war der «Anti-Zürich-Reflex» einiger Mitglieder im Hochschulrat.
Die Aufhebung des Konkordats wurde auf Initiative des Kantons Zürich nun eingeleitet. Inwiefern war dies absehbar?
Das Konkordat, wie es seit 1999 besteht, ist sicher nicht mehr zeitgemäss. Zum Beispiel in Sachen Governance oder auch die Tatsache, dass die HfH praktisch keine Reserven bilden darf. So kann man heute keine Hochschule mehr führen. Wir sind also nicht überrascht gewesen, dass die Trägerschaft wiederholt diskutiert werden musste. Unser Ziel war immer, eine neue Form der Trägerschaft zu finden, ohne dass die HfH beschädigt wird.
Kann die HfH ihre Rolle als nationales Kompetenzzentrum für Heil- und Sonderpädagogik auch in der Trägerschaft des Kantons Zürich weiter stärken?
Die HfH bleibt weiterhin das einzige Kompetenzzentrum, das in der Heil- und Sonderpädagogik die ganze Breite abbildet. Sie ist auch der einzige Player, der Heilpädagogik in der aktuellen Tiefe erforscht. Das macht die HfH zur Referenz – und das wird auf jeden Fall so bleiben. Aber in der Art und Weise, wie sie vernetzt ist mit dem Feld und in der ganzen Schweiz, da wird man sich neu sortieren müssen.
Die HfH steht für «Bildung für Alle.» Du hast mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass dir dies ebenfalls ein grosses Anliegen ist. Steht diese klare Haltung zur inklusiven Schule im Rahmen der Kantonalisierung der HfH zur Debatte?
Es hat schon immer einzelne Trägerkantone gegeben, die Förderklassen wieder einführen. Wenn die politische Realität heute an einigen Orten die inklusive Schule infrage stellt und sagt, sie ist zu teuer oder zu kompliziert, dann glaube ich, dass es die Referenzposition der HfH umso mehr braucht. Die HfH bringt so viel Kompetenz, Erfahrung und Kenntnis aus ganz unterschiedlichen kantonalen schulischen Umfeldern ein. Damit hat die HfH das Wissen zur Stärkung einer «Schule für Alle». Ich will damit nicht sagen, dank der HfH wird es überall eine inklusive Schule geben, das ist nicht realistisch. Aber jedes Kind und jeder Jugendliche soll die Unterstützung erhalten, die es braucht, um an der Gesellschaft zu partizipieren. Das Kompetenzzentrum zur Vermittlung von Know-how zur inklusiven Bildung, kann die HfH weiterhin sein – und ich finde, das sollte sie auch sein.
Neuer Präsident des Hochschulrats. Dorothea Christ übergibt das Amt der Präsidentschaft des Hochschulrates per 8. September 2026 an Urs Bühler, Leiter a. i. des Hochschulamtes des Kantons Zürich. Der Hochschulrat freut sich auf die Zusammenarbeit mit Urs Bühler.